Die Ankündigung des hessischen Verkehrsministers Tarek Al-Wazir, das Schienennetz für den Nah- und Fernverkehr in Hessen auszubauen (https://wirtschaft.hessen.de/presse/pressemitteilung/ausbau-der-schienenwege-hessen), ist ein mehr als deutlicher Rückschritt für die Pendlerinnen und Pendler im ländlichen Raum in Hessen.

Die Pläne zeigen, dass sich die Landesregierung weiter auf den Ballungsraum konzentriert und ländliche Räume trotz vollmundiger Ankündigungen weitestgehend im Regen stehen lässt, wenn es um den Ausbau von Bahnverbindungen geht. Der Verkehrsminister setzt ganz klar einen falschen Schwerpunkt und führt seine Vision des „großen Frankfurter Bogens – wohnen 30 Minuten rund um den Frankfurter Hauptbahnhof“ kompromisslos fort.

Al-Wazir hatte am Donnerstag gesagt, dass in den nächsten Jahrzehnten rund 20 Milliarden Euro in das Schienennetz investiert würden und auch von einer stärkeren Anbindung „des ländlichen Raums“ gesprochen. Bei letzterer Anmerkung bezweifelt man, ob Al-Wazir tatsächlich weiß, wo der „ländliche Raum“ in Hessen liegt.

Geplant ist bei seinen Projekten nämlich nur eines, das dem ländlichen Raum zugutekommt, nämlich die Reaktivierung der Horlofftalbahn in Mittelhessen.

Alles andere sind hauptsächlich Projekte in Frankfurt oder im direkten Umfeld der Stadt. Das zeigt, dass die Bekenntnisse der hessischen Landesregierung zur Stärkung ländlicher Räume im Großen und Ganzen Lippenbekenntnisse sind.

Stattdessen sind die Menschen auf dem Land weiterhin auf das Auto angewiesen. Im Zuge der Klimaschutzpakete werden diese dann mit einer CO2-Bepreisung dafür bestraft, dass sich unser Staat bei Verkehrsprojekten auf den Ballungsraum konzentriert.

Das gilt nicht nur für die Schiene. Auf der Straße werden in der laufenden Legislaturperiode in Hessen ebenfalls keine Verbesserungen im ländlichen Raum umgesetzt, obwohl der Bund viele Projekte in den vordringlichen Bedarf genommen und die Finanzmittel dafür zur Verfügung gestellt hat. Das würde eine Entlastung für die Pendler bringen, aber auch hier passiert nichts.

Die Bedeutung der ländlichen Räume in Hessen für eine Entlastung des Ballungsraums in punkto Wohnen und Verkehrsströme wird in der Landesregierung noch immer nicht verstanden. Stattdessen lebt diese von der Utopie des „großen Frankfurter Bogens – wohnen im Umkreis von 30 Minuten rund um den Frankfurter Hauptbahnhof“.

Der Ballungsraum lebt aber von den Pendlern aus dem Umland. Diese zahlen die Zeche, wenn sie in überfüllten Zügen sitzen oder morgens und abends im Stau stehen.

Aber sie können ja irgendwann, wenn das letzte Grün um Frankfurt herum zubetoniert ist, in den „großen Frankfurter Bogen“ ziehen.


07.02.2020